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"Vom Rennhonorar kann ich nicht leben" - Thalea Mäder über den Weg in den Profisport und berufliche Herausforderungen

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Volker Brix

Thalea Mäder gehört mit ihren 19 Jahren zu den hoffnungsvollsten Radsporttalenten in Thüringen. Beim Derny Deutschland Cup für Frauen im Erfurter Andreasried stand sie Volker Brix Rede und Antwort.

Das war ja ein aufregendes Rennen nach ihrem Defekt im ersten Vorlauf, wie haben Sie das empfunden?
- Ich war gerade gut vom Start weggekommen, da hatte ich nach eineinhalb Runden einen Hinterraddefekt.

Einen Reifenschaden?
- Nein. Das Hinterrad war wohl nicht richtig festgezogen und schliff nun am hinteren Rahmen. Innerhalb der maximal sechs Runden Vergütungsrunden war ich wieder im Rennen und konnte mich als Zweite für das große Finale qualifizieren.

Im großen Finale hatten Sie als Vierte dann fünf Runden Rückstand, waren Sie sehr enttäuscht?
- Nein, im Gegenteil, ich war sehr zufrieden. Immerhin hatte mit Lisa Klein eine Olympiasiegerin gewonnen und die Zweit- und Drittplatzierten Ricarda Bauerfeind (Ansbach) und Romy Kasper (Forst) waren beim ersten Cup-Lauf auch schon auf dem Podest.

Wie lange fahren Sie schon Radrennen?
- Seit meinem neunten Lebensjahr, zuvor war ich Triathletin.

 Gab es da schon Erfolge?
- Nein, nichts nennenswertes gibt es in der Klasse U11 zu berichten. Ich fuhr nur Straßenrennen. Das änderte sich erst in der U13. Da habe ich 13 Rennen auf Bahn und Straße gewonnen.

Und später gingen die Siege weiter?
- In der U15 gewann ich DM-Bronze im Paarzeitfahren auf der Straße. Ein großer Erfolg war für mich der Gesamtsieg der Internationalen Berliner Etappenfahrt Kids Tour als erstes Mädchen vor allen Jungen.

Das hört sich ja sehr gut an. Hatten Sie in den höheren Altersklassen und mit den steigenden Belastungen auch Probleme?
- Eigentlich kaum. Dafür spricht, dass ich in der U17 bei der 2000m-Bahnverfolgung mit 2:32 Minuten eine neuen Deutsche Rekord markierte, dazu wurde ich mit dem Bahnvierer Deutscher Meister und holte beim Einzelzeitfahren auf der Straße die Bronzemedaille.

Konnten Sie Ihre Form auch bei der U19 weiter steigern?
-
Ich denke ja. Als Deutscher Meister mit dem Bahnvierer, DM-Rang zwei in der Einzelverfolgung und DM-Platz drei im Madison habe ich mich in die Frauenklasse verabschiedet.

Da müsste ja nun bald ein Profivertrag kommen?
- Den habe ich seit Jahresbeginn mit dem Schweizer Team Cogeas Mettler Look Pro Cycling abgeschlossen.

Ist das für Sie eine gewaltige Umstellung?
- Das kann man wohl sagen. Meine Starts bei der Schweizer Rundfahrt, dem Amstel Gold Race durch die Niederlande oder dem Flèche Wallone in Belgien gegen die absolute Profi-Weltklasse haben mir schon Körner gekostet.

Welche Ziele kann man bei solcher Schinderei von einem Neo-Profi erwarten?
- Ich will und muss mich in erster Linie in den Klassefeldern etablieren und will mit ansprechenden Leistungen meinen Einjahresvertrag verlängern.

Können Sie von Ihrem Rennhonorar Ihr Leben finanzieren?
- Ganz klar nein. Wir bekommen nur Reisekosten, Hotel und Prämien ausgezahlt.

Und wovon leben Sie finanziell?
- Ich studiere Lehramt und arbeite nebenbei in einem Studienkreis. Dort helfe ich lernschwachen Schülern oder Ausländern vor allem beim Deutschunterricht.

Wer ist denn Ihr aktueller Trainer?
- Nachdem ich im Nachwuchs von Dr. Manfred Wandersleb und Frank Zühlke betreut wurde, hat seit Mai/Juni die Erfurterin Elisabeth Lutzke mein Training koordiniert.

19.09.2021 / Volker Brix
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